Da es sich dieses Mal um eine Kurzreise handelt, ist heute schon wieder die Hälfte rum und ich hab hier noch nichts geschrieben. Die Internetverbindung ist aber auch sehr ausbaubar, weshalb ich hier auf Bilder verzichte. Wer dennoch welche sehen möchte, der nutze doch einfach die Postings auf Facebook oder Instagram. Einfach oben auf „Links“ drücken, dann kommt ihr da hin.
Die ersten drei Tage waren vollgepackt und doch gleichzeig entspannend. Nach insgesamt rund 18 Stunden landete ich am Montag am Kilimanjaro International Airport. Monica empfing mich und wir machten uns auf den Weg nach Kirua. Duschen und den verpassten Schlaf nachholen, dann war der Tag schon Geschichte,
Ja OK, die obligatorische Banana Soup gab’s trotzdem.
Am Dienstag machte ich mich auf den Weg zum St. Monica Hospital. Dr. Glorie Kessy führte mich an ihrem freien Tag herum und zeigte mich, was seit letztem Jahr sich alles verändert hatte. Ein neues Röntgen- und auch ein Ultraschallgerät. Die Gynäkologie und die Überwachungsstation direkt unterm Dach sind baulich fertig gestellt. Fehlt „nur“ noch die Einrichtung. Im Erdgeschoss wurden Rezeption und Notaufnahme neu angeordnet. Und es hat auch mal jemand zu Sandpapier und Farbe gegriffen, damit die Eisengitter und Türen wieder ordentlich aussehen.
Am Mittwoch ging es erst die paar hundert Meter zur MEMA School hier in Kirua, bevor mir Anna Macha dort abholte und wir die zwei Stunden nach Karansi zur Baraka School fuhren. Wegen des dichten Verkehrs und ein paar kleinen Einkäufen wurden dann doch drei Stunden daraus, so dass wir pünktlich zum Schulschluss eintrafen. Aber da diesmal eh eine Übernachtung dort geplant war, was das kein Problem.
Am späten Nachmittag traf ich mit unserem Architekten Fredy Ligson zusammen, der mir seinem Team gerade das neue Schulgebäude für die Klassen 4-6 errichtet. Baubesichtigung und auch eine Diskussion über die geplante Ausstattung mit einer Solaranlage (die mit jedem weiteren Gebäude mitwachsen soll) füllten die Zeit bis zum Abendessen. Daniel Macha und seine liebe Frau Filotea bewirteten mich und stellten mir auch ein Gästezimmer zur Verfügung.
Das ermöglichte mir, am heutigen Donnerstag den ganzen Schultag vor Ort mitzuerleben. Gegen acht (aufgrund der Regenzeit stehen viele Straßen unter Wasser, daher alles nicht so genau planbar wie in der Trockenzeit) treffen der Schulbus und zwei kleinere Transporter ein. Ihnen entsteigen so viele Kinder, deutsche Behörden würden bei so voll gepackten Fahrzeugen Sturm laufen.
225 Kinder besuchen zur Zeit die Baraka School von der Baby Class für zwei und dreijährige bis momentan zu den achtjährigen in der dritten Klasse. Ein Wahnsinn, wenn man bedenkt, dass wir 2022 mit gerade mal 6 Kindern im Kindergarten begonnen haben. Unser Bildungsangebot wird nachgefragt und angenommen. Der Erfolg setzt uns auch unter Zugzwang. Die Behörden schauen genau hin und denken sich immer neue Auflagen aus. So sollen wir jetzt die Küche von Feuerholz auf Gas umstellen. Und für die Viertklässler nächstes Jahr brauchen wir dann doch ein Schlafheim, da diese im Internat untergebracht werden sollen.
Da stellt sich schon die Frage „Woher nehmen und nicht stehlen?“ Irgendwie werden wir zu Opfern unseres Erfolges.
Nach einem erfüllten Tag ging es wieder zurück nach Kirua. Geduscht liege ich jetzt im Bett und schreibe diesen Artikel. Morgen ist auch hier Feiertag, aber sowas gibt es in einem Krankenhaus nicht, deshalb werde ich da morgen wieder vorbeischauen und dann die letzten beiden Tage hier genießen, bevor es am Sonntag Abend wieder ins Flugzeug gen Heimat geht. Wobei, so ein bisschen Heimat ist für mich inzwischen auch hier.
Ach ja, ich erwähnte oben die Regenzeit. Punkt 17 Uhr hat es heute angefangen zu regnen, jetzt ist es 21:30 Uhr und es schüttet in einem durch und das geht vermutlich wie bisher auch, die ganze Nacht so weiter. Unglaubliche Wassermassen für einen Mitteleuropäer, hier völlig normal. Dass Straßen einfach wochenlang nicht passierbar sind, ist hier einfach jedes Jahr so. Keine lokale Katastrophe, sondern nationale Normalität. Vielleicht können wir davon auch etwas lernen und weniger in Superlative verfallen. Nicht jedes Gewitter ist gleich eine Wetterkatastrophe. Und ein paar weiße Flocken im November oder März kein Schneechaos.
Hakuna matata. Einfach ein bisschen entspannen.
