Der gestrige Tag war sehr emotional, eben ein touching moment.

Ganz profan könnte man es so beschreiben: ein Container mit medizinischen Geräten erreicht das Krankenhaus. Aber es war und ist für die Mitglieder von Baraka – Kinderhilfe Kilimandscharo e.V. eben viel viel mehr.

Im Mai 2020 überließ die Uniklinik Ulm uns ein Thorax-Röntgengerät. Wir hätten uns das niemals finanziell leisten können, so etwas zu kaufen. Ein Geschenk Gottes, eine once-in-a-lifetime-Chance. Dann begannen die Planungen, wie man das wohl nach Tansania bekommt. Im Herbst 2020 fiel die Entscheidung, einen 20-Fuß-Container zu kaufen, der im Januar 2021 dann in Oeffingen aufgestellt wurde. Da wir keinen Platz verschwenden wollten, wurden weitere Geräte gesammelt, u.a. eine Ultraschall-Einheit und auch 15 PCs. Alfons Scheirle übernahm das Management und begann das berüchtigte 3D-Tetris, um den Container zu füllen.

Dann kam der 7. September 2021. Der Tag, an dem der Container seine Reise beginnen sollte.

Es wurde für uns auch der Tag, an dem unsere Erste Vorsitzende Rita Ermer verstarb. Zwei völlig widersprüchliche Gefühle brachen auf uns ein. Und wieder war es Alfons, der dafür die richtigen Worte fand: „Ein Teil von Rita, ihrem Geist, ihrer Seele, ist mit in diesem Container.“

Der Container machte sich also auf die Reise: Oeffingen -> Hamburg -> Colombo -> Dar-es-Salaam. Und an jeder Station gab es unerwartete Verzögerungen von teilweise mehreren Wochen.

Am 28. Dezember startete die letzte Etappe, vom Hafen Dar-es-Salaam zum Krankenhaus in Kirua, doch die geplante Ankunft am 29. abends verzögerte ich auch wieder. Der Truck mit dem Container wurde rund 25 Kilometer vor dem Ziel über Nacht an einer Tankstelle abgestellt, um am Morgen des 30.12. den Berg zu erklimmen. Um 9 Uhr war ich am Krankenhaus und wartete. Ok, ich nutzte die Zeit und hab mir den alten Krankenwagen angeschaut und wurde von Anna gebeten, mir doch anzuschauen, ob man die Drucker und Kopierer nicht so umstellen könne, dass die Displays auf Englisch sind, weil sie mit den deutschen Fehlermeldungen die „Papierstau“ nichts anzufangen wissen.

Um 11 Uhr kam Dr. Edwin ganz aufgeregt ins Büro gestürmt: CONTAINER! Also wir alle raus und das Spektakel beobachten

Als ich das alles so miterleben durfte, kamen mir wieder Alfons Worte in den Sinn und ich schäme mich nicht, zuzugeben, dass mir Tränen in den Augen standen. Als Rita kurz vor ihrem Tod erfuhr, dass der Container auf die Reise geht, rief sie nochmal „Hurra!“ Gestern hat sich dieser Kreis geschlossen, als hier bei der Ankunft auch ein großes Hurra war. Und in Fellbach waren die Emotionen ganz ähnlich, als ich die Ankunft vermelden konnte. Ich zitiere aus einer Email von Alfons:

Lieber Martin,

ich hätte Dich umhalsen können vor Rührung und Freude!

Im Herbst 2020 planten wir den Kauf eines Containers, am 12. 01. 2021 wurde er in Oeffingen aufgestellt, am 07. 09. 2021 endlich abgeholt, und jetzt !!!!!

Ich glaube, Rita hat dem Christkind einen Dringlichkeitsantrag vor die Füße gelegt.

Und meine etwas pessimistische Prognose hat sich erfüllt: Du warst da – das ist das ganz Besondere daran.

Wie gesagt: A touching moment

A touching moment

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3 Gedanken zu „A touching moment

  1. Man ist nur selten im Leben die richtige Person am richtigen Ort – Martin, ich denke das war so ein Moment. Was wird aus dem Container, da ihr ihn gekauft habt? Infrastruktur fürs Krankenhaus? Lagerraum?

    1. Ja, die Container verbleiben alle hier und werden als Lagerraum genutzt. Das ist auch so ein Drama, weil gekauft hat ihn ja ein deutscher Verein, also braucht’s eine Überlassungsbescheinigung für die tansanischen Behörden.

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